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Vellmar. Eigentlich hätte Mario Deppe allen Grund, Roy Keßebohm eine Straf-Einheit aufzubrummen. „Er hat sich nicht an die Vorgaben gehalten“, sagt der Trainer des OSC Vellmar über seinen linken Verteidiger. Denn beim Spiel in der Fußball-Hessenliga vergangenen Samstag gegen Fernwald war abgesprochen, dass Keßebohm den Eckball auf den kurzen Pfosten ziehen soll. Und was macht der 21-Jährige? Er verwandelt die Ecke direkt und leitet so die Wende zum 2:1-Sieg ein. In Trapattonis Worten formuliert: Was erlaube Keßebohm?

Gib mir fünf: Roy Keßebohm klatscht sich mit seinem Vellmarer Teamkollegen Marius Ehlert ab. Archivfoto:  Fischer

Gib mir fünf: Roy Keßebohm klatscht sich mit seinem Vellmarer Teamkollegen Marius Ehlert ab. Archivfoto:  Fischer

Natürlich ist Deppe alles andere als mies gelaunt, was seinen Schützling betrifft. „Roy hat großen Anteil an unserem Erfolg“, meint der Trainer. Und das mit nur drei Gelben Karten, was im Grunde noch erstaunlicher ist als sein verrückter Eckball-Treffer. Denn in früheren Zeiten sammelte er regelrecht Verwarnungen und Platzverweise.

„Ich bin gelassener geworden“, sagt Keßebohm. Er habe sich die Kritik zu Herzen genommen und an sich gearbeitet. Aber vor allem hätten ihn zwei Ereignisse in seinem privaten Umfeld ruhiger werden lassen. Zunächst der Tod seiner Großmutter, und vor etwas mehr als drei Monaten ist Töchterchen Melina zur Welt gekommen.

Fasst er seine Gegner nun etwa mit Samthandschuhen an? „Das kann er doch gar nicht“, sagt Deppe. Soll heißen: Keßebohms Spiel lebt vom Einsatz. Körperbetont, sehr viel Leidenschaft – aber er schaffe es heute, seine Emotionen besser zu kanalisieren, attestiert der Trainer.

„Roy gibt immer hundert Prozent und mehr.“ Und dann hat er ja noch diesen linken Fuß, mit dem er auch mal Tore aus 45 Metern schießt wie vor einem Jahr oder eben Eckbälle direkt reinzirkelt wie vor einer Woche.

Am Samstag darf sich nun Rot-Weiß Darmstadts rechter Offensivmann auf Keßebohm freuen. Die Südhessen gastieren ab 15 Uhr im Stadion am Schwimmbad. Und an die haben die Vellmarer ja gute Erinnerungen. Am siebten Spieltag der Hinrunde gelang beim 4:0-Erfolg der erste Saisonsieg. Damals, Ende August, kauerte der OSC im Tabellenkeller. Heute stehen die Nordhessen auf dem dritten Platz, Darmstadt ist Letzter. Vom Papier her ist die Sache also klar.

Aber der Trainer wäre ja nicht der Trainer, wenn er nicht ein bisschen unken würde: „Die sind unglaublich schwer zu spielen“, sagt Deppe. Fügt aber gleichzeitig hinzu, dass sein Team nach vier Siegen in Folge gefestigt sei und es „eigentlich wurscht ist, welcher Gegner kommt“. Aber auch Keßebohm warnt: „Die haben nichts zu verlieren.“ Kleiner Tipp für den Linksverteidiger: Bei einer Ecke am Samstag einfach nicht auf den Trainer hören.

Von Robin Lipke

© OSC Vellmar e.V.
Datum des Ausdrucks: 21.10.2026