OSC Vellmar feiert verdienten 3:1-Derbysieg in Baunatal
Wolf unterläuft ein Eigentor
Baunatal. Verkehrte Fußball-Welt: Während der OSC Vellmar - vor diesem Spieltag Tabellenachter der Hessenliga - um jeden Zentimeter Rasen kämpfte, ließ es Titelkandidat KSV Baunatal locker angehen.
Und es kam, was kommen musste. Der OSC Vellmar entführte vor der stattlichen Kulisse von 900 Zuschauern beim 3:1 (1:0)-Sieg drei Punkte aus dem Baunataler Parkstadion, die der Tabellenzweite dringend benötigt hätte.
Der Mann des Abend heißt Mentor Latifi. Vellmars Innenverteidiger, der in der kommenden Saison für den FSC Lohfelden kicken wird, war zum 2:1 und 3:1 zweimal per Kopf zur Stelle, nachdem Enes Glogic, sein jetziger und künftiger Mannschaftskamerad, zunächst bei einem Freistoß (62. Minute) und dann bei einem Eckball (74.) jeweils hoch vor das Baunataler Tor geflankt hatte.
In beiden Szenen profitierte Latifi von der Schwäche des Baunataler Torwarts Uli Finke, der bei hohen Flanken meistens auf der Linie klebt.
Dennoch musste sich der KSV-Schlussmann keine speziellen Vorwürfe anhören, denn Tobias Klöppner sprach einen Pauschal-Tadel aus. „Wir hatten einen rabenschwarzen Tag, Normalform hatte keiner", sagte der Baunataler Trainer. Vellmars Coach Mario Deppe war natürlich zufriedener, bescheinigte seiner Mannschaft eine taktische Meisterleistung und fügte hinzu. „Dieses Spiel war für uns die Kür." Die begann glücklich für den OSC Vellmar, denn schon in der 2. Minute hatte Mario Wolf nach einem Missverständnis mit Finke ins eigene Tor geköpft. Als Wolf per Kopf zum Ball ging, hatte Finke ausnahmsweise seinen Kasten mal verlassen.
Nun wäre es aber ungerecht, Finke zum Sündenbock zu machen, denn auch die anderen 13 Baunataler spielten nicht wie Aufstiegskandidaten. Kämpferisch kann der KSV mit dem OSC ohnehin nicht mithalten, aber am Freitag war Vellmar auch die spielerisch bessere Mannschaft.
Die Konter, die häufig über Enes Glogic liefen, waren allerdings nur möglich, weil die beiden Vellmarer Innenverteidiger ihre Aufgaben nahezu perfekt lösten. Latifi glänzte nicht nur mit seinen Kopfballtreffern, sondern ließ auch - in Zusammenarbeit mit Pavo Susilovic - den Baunataler Torjäger Sebastian Schmeer nicht zur Entfaltung kommen. So hatte der KSV in der Offensive nur einen lichten Moment, denn Mirko Tanjic schloss eine gelungene Kombination über Tobias Nebe und Schmeer mit dem Treffer zum 1:1 (52.) ab.
Es war die Phase, in der sich der KSV Baunatal anschickte, dem Spiel eine Wende zu geben, aber nach Latifis erstem Streich ging es im gleichen Trott weiter. Die Vellmarer Spieler kämpften, grätschten und rannten, während sich die Baunataler Akteure wie gelähmt über den Rasen schleppten. Bleibt Klöppners verzweifeltes Fazit: „Ich konnte doch nicht elf Spieler auswechseln."
Von Gerd Brehm
KSV Baunatal: Finke - Leipold, Hanske (46. Min. Tanjic), Wolf, Heussner (76. Min. Frerking) - Wengerek, Markolf (62. Min. Donougher) - Schmeer, Nebe, Käthner - Schrader.
OSC Vellmar: Orth - Metzner, Susilovic, Latifi Kuhn - Busch, Persch (60. Min. Löbel) - Eckhardt (88. Min. Zukorlic), Glogic, Wollenhaupt - Lohne (84. Min. Shin)
Schiedsrichter: Rolbetzki (Marburg)
Zuschauer: 900


