OSC muss jetzt Wunden lecken
Fußball-Hessenliga: Ohne vier Stammkräfte hat Vellmar beim 2:4 gegen Eschborn keine ChanceVellmar. Völlig ausgepumpt lagen die Fußballer des OSC Vellmar nach dem Schlusspfiff auf dem Rasen. Leere Gesichter. Enttäuschung pur. Der Gegner sei schlagbar gewesen, sagte Dennis Schanze ein wenig angefressen. Der Lenker im Mittelfeld des Hessenligisten fügte aber auch selbstkritisch an: „Wir haben heute alles vermissen lassen, was uns zuletzt stark gemacht hat." Und so kassierte der OSC eine verdiente 2:4 (2:2)-Niederlage gegen den 1. FC Eschborn.
Vellmars Trainer Mario Deppe brachte die Defizite auf den Punkt. Ihm hätten Leidenschaft und Einsatzbereitschaft gefehlt. „Wie wir uns vor den Gegentoren verhalten haben - das hatte mit Hessenliga nichts zu tun", bilanzierte Deppe. Sowohl dem 0:1 (13. Minute) und dem 2:2 (41.) durch Anthony Wade gingen dumme Ballverluste voraus. Das 2:3 erzielte Eschborns Mirkan Kara (64.) - der durfte unbedrängt einen Seitfallschuss ansetzen, und das nach einem Freistoß. Und an das 2:4 durch den eingewechselten Giuseppe Pagliaro (86.) dürfte OSC-Verteidiger Christian Brinkmann richtig böse Erinnerungen haben.
Vor 200 Zuschauern ließen die Gastgeber nur im ersten Durchgang kurzzeitig ihre Qualitäten aufblitzen. Immer dann, wenn die Vellmarer den Ball schnell durch die Reihen beförderten, kam Gefahr auf. So fiel der 1:1-Ausgleich durch Enis Salkovic (26.), und so schloss Jonas Springer eine herrliche Kombination zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung ab (33.). Doch unterm Strich „hatten wir heute nicht den Ballfluss, den ich erwartet und erhofft hatte", so Deppe.
Allzu hart ging aber niemand mit der jungen Mannschaft ins Gericht. Mit Enes Glogic, Kapitän Christian Wollenhaupt, Moritz Meuser und Mounir Boukhouta fehlten vier Stammkräfte und Leistungsträger. „Bei unserem Kader ist das schwer zu kompensieren", sagte Schanze. Von daher kommt es wie gerufen für den OSC, dass er am kommenden Wochenende spielfrei hat. Deppe formulierte es so: „Jetzt müssen wir erst mal unsere Wunden lecken."
Zwei Erkenntnisse zog Vellmars Trainer aus dieser an Niveau armen Partie: Erstens, manch junger Spieler bräuchte noch Zeit, um sich an die Hessenliga zu gewöhnen. Zweitens, mancher Spieler, der dachte, er sei schon eine Führungskraft, „ist es eben nicht", sagte Deppe. Wen er damit meinte, verriet er nicht. Womöglich dachte er an Mergim Hajzeraj und Nasuf Zukorlic. Beide Spieler agierten glücklos, und ihre schlaffe Körpersprache gab Grund zu der Annahme, sie könnten ein Schlückchen Kraftbrühe ganz gut vertragen. In zwei Wochen steht das Derby in Lohfelden an - da braucht der OSC auf jeden Fall mehr Biss.
Von Robin Lipke

