Tor mit Ansage beim 1:5
Verbandsliga: Vellmar II rutscht nach Pleite gegen Lehnerz II auf Abstiegsplatz abVellmar. Wenn der erste Schuss auf das Tor gleich drin ist, ist das eigentlich keine schlechte Nachricht. Wohl aber, wenn dies erst nach 52 gespielten Minuten beim Stand von 0:1 passiert. Und erst recht, wenn das Spiel am Ende mit 1:5 (0:1) verloren geht und die unterlegene Mannschaft nach 90 Minuten auf nur zwei weitere Torschüsse kommt. So geschehen aus Sicht von Fußball-Verbandsligist OSC Vellmar II gestern im Heimspiel gegen Aufsteiger TSV Lehnerz II.
Schwerer Stand: Vellmars Sturmspitze Maximilian Norwig (links) war von den Lehnerzern Verteidigern Maximilian Müller und Julian Pecks weitestgehend abgemeldet. Foto: Malmus
In der Vorbereitungspartie zwischen den beiden Hessenliga-Reserven hatte das Team von Rainer Rethemeier noch mit 6:1 gewonnen. Nach 25 Minuten gestern hatten die 90 Zuschauer das Gefühl, es müsse sich beim Ergebnis des Testspiels um eine Verwechslung gehandelt haben. Nicht nur, dass die Fuldaer nach langem Pass von Julian Pecks durch Patrick Broschke in Führung gingen (10.). Der TSV hatte sechs weitere erstklassige Chancen (3., 5., 8., 11., 23., 25.) - die U 23 des OSC keine.
„Wacht endlich mal auf!", versuchte Rethemeier seine Elf zunächst erfolglos von der Seitenlinie aus aufzurütteln. „Wir haben super mitgespielt", meinte der OSC-Trainer später ironisch. „Wir sind nur nebenher gelaufen. In der Halbzeit habe ich meine Jungs richtig rundgemacht."
Die Kabinenpredigt zeigte Wirkung: Der eingewechselte Marcel Mand legte nach rechts auf Niklas Schöttner raus, und über die Station Marco Heussner landete der Ball wieder bei Mand, der aus 14 Metern zum Ausgleich einschoss (52.). „Nur in zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen das 1:1 fiel, hatte ich das Gefühl, das etwas für uns geht", erklärte Rethemeier.
Dem war so, weil der Lehnerzer Broschke vollends zum Mann des Spiels avancierte. Der TSV-Angreifer ließ zunächst Vellmars Benjamin Musick stehen und legte auf Marek Weber ab - 2:1 für die Gaste (65.). Dann holte er gegen Hendrik Bertelmann eine Ecke heraus, die Pecks zum 3:1 einköpfte (69.). Das 4:1 fiel nach dem gleichen Schema wie das 2:1, nur dass der Ball erst durch den Nachschuss von Dennis Sorg im Netz der Gastgeber landete (81.). Kurios das 5:1 der Fuldaer: TSV-Trainer Marco Lohse rief scherzhaft rein, dass Sorg noch ein Solo starten solle. Der lief nach Steilpass von Maximilian Müller den OSC-Verteidigern davon, flankte auf Weber - 5:1, Abpfiff (90.). Während die Gäste das Tor nach Ansage und den Sieg bejubelten, war Rethemeier bedient: Seine U 23 rutschte auf einen Abstiegsplatz ab und verliert zur Winterpause beruflich bedingt noch Jannik Schinzel, der nach Lehnerz (!) zieht.
Von Sebastian A. Reichert

